" Thomeys virtuelle Welten"

 


Die Brücke

Teil 3. aus Zerstörte Welt

 

 

Er stand, verborgen vor der Menge, am Fenster im rechten Turm, kläglichem Überrest der einst so grossartigen Tempelanlage. Unten versammelte sich langsam der Rest des Gemeinsamen Volkes. Die Katastrophe hatte sie alle gleich gemacht. Es gab keine Stämme mehr, keine Völker, keine Rassen. Alle mussten Sie zusammenarbeiten, verschiedene Temperamente und Wesen.

Nach der Reise zum heiligen Berg traf ein Sternenschiff ein, das letzte dieser verlorenen Welt. Es würde sich in dieser Generation nicht mehr erheben, da keine Energie vorhanden war, die es in absehbarer Zeit in Bewegung setzen könnte. Aber ohne dieses Sternenschiff hätten sie nicht überlebt. Mit der spärlichen Restenergie war es möglich, den Winter zu überstehen. Eine Krankenstation war an Bord, sehr zur Erleichterung der Schwangeren und der Verletzten, mit einem ausgebildeten Arzt. Es gab Nahrungsmittel, die sorgsam eingeteilt bis zur nächsten Ernte ausreichen müssten. Das Schiff war zur Besiedlung ausgeschickt gewesen und wusste nichts von ihren Nöten bis zu seiner Landung. Die crew hatte heute noch diesen verlorenen Blick, den die anderen bereits langsam verloren hatten. Aber die tägliche Arbeit verdrängte die seelischen Sorgen.

Wie abhängig war doch diese Welt gewesen: mühsam erlernte man Papier herzustellen nach Jahrzehnten der Datenspeicher. Eine ganze Gruppe war nur mit dem Kopieren von Wissen beschäftigt, denn wenn die Energie eines absehbaren Tages erschöpft war, was nützten dann alle Datenspeicher? Computer? Tote nutzlose Bewahrer. Schreiber war auf einmal wieder ein wichtiger Beruf, denn was nützt ein Sprachauf-zeichnungsgerät ohne die Möglichkeit der Umsetzung? Die Ärzte, jahrelang unterstützt von Medo-Robotern, die einfache Diagnosen und Operationen ausführten, mussten mühsam wieder buchstäblich ihr Handwerk erlernen. Man wandte sich an die Alten, um ihre Erfahrungen und ihr Wissen zu bewahren. Man musste Wege finden, Nahrung haltbar zu machen in diesem veränderten Klima. Wie Kleidung herstellen? Kommunizieren? Reisen? Jedes gelöste Problem brachte ein neues mit sich, war aber willkommene Ablenkung in Kampf um das Sein.

 

 

Und alle warteten auf den einen Tag, an dem das Kind ihrer erwählten Führer diese Welt betreten würde. Und zum Jahreswechsel kämpfte Cora den jahrhundertealten Kampf der Frau, Leben zu schenken. Nie fühlte er sich hilfloser als in diesem Moment, als er ihr nur seine Hand reichen konnte, die sie umklammerte, ihr nur seine Nähe schenken konnte. Medikamente waren begrenzt und wurden nur bei Lebensgefahr ausgegeben. Aber sie schaffte es. Nach zwei Tagen Wehen kam sein Sohn zur Welt. Ihre Hoffnung auf die Zukunft, auf den Fortbestand.

Er betrachtete die schweigende Menge unter sich und wandte sich um, als er Schritte hörte. Cora betrat den Raum, strahlende Schönheit nach all dem Schmerz. Sein Herz klopfte schmerzlich vor Liebe. Sie reichte ihm das Bündel Mensch.

Und beide betraten die Brücke, um sich dem Volk zu zeigen. Es war ihr Vorschlag gewesen, die Türme zu verbinden, als Symbol, altes mit neuem zu verknüpfen. Er zeigte den wartenden Menschen seinen Sohn und Jubel brandet auf. Dieses neue Leben würde in einer neuen Welt aufwachsen, war selbst eine Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft, Gestalter des neuen Lebens. Sie mussten es schaffen, endlich schaffen, aus dem alten zu lernen und einen Bogen nach vorn zu schlagen. Um diese veränderte Welt wieder schön werden zu lassen. Um mit dieser Welt zu leben und sie sich nicht untertan zu machen, der alte Fehler des Menschen.

Er sah in die Augen des Kindes, das ihn ernsthaft musterte und erneuerte den Schwur, der fortan ihr Lebensziel sein sollte: MITEINANDER.

 

Ladyb

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