" Thomeys virtuelle Welten"

 


Verbrannte Erde

(inspiriert durch Thomey´s erstes Bild. März 99)

 

Die Frau war vorausgeeilt, ihr Begleiter folgte ihr langsamer, sie nicht aus den Augen lassend. Ein eigentümlicher Geruch lag in der Luft und die Sonne schien fahl am Himmel, bleiche Begleiterin des Tages.

Sie zurückzuhalten, wäre zwecklos. Trotz der ungewöhnlichen Wärme, des Gepäcks, nach zwei Tagen Fußmarsch und dem steilen Anstieg (sie mussten jetzt anfangen zu klettern) war sie nicht zu halten. Sein starrer Blick heftete sich trübe auf den schmalen Pfad vor sich und so sah er nicht, wie ihr Fuß auf einmal stockte und sie in die Knie brach. Erst ihr Aufschrei liess ihn ruckartig aufsehen und mit drei Sätzen stand er neben ihr. Haltlos schluchzend bebte ihr schmaler Körper, die dunklen Augen wie erloschen, und seufzend kniete er sich neben sie, legte einen Arm um ihre Schultern und presste sie sanft wiegend an sich, bis sich die erste Verzweiflung gelegt hatte. Schliesslich richtete sie sich mühsam auf, strich sich das glänzende schwarze Haar zurück und gemeinsam richteten sie den Blick nach vorn:

Sie saßen hart am Rand einer steil abfallenden Klippe. Ungehindert konnte der Blick über die am Fuße liegende Ebene schweifen, ihr Heimattal. Einst eine blühende Oase, voller Leben, sattem Grün, belebt von Tier und Mensch. Sanft wogende Kornfelder wiegten sich dort im Wind. Die niedrigen Gebäude passten sich der Landschaft an. Einzig der Tempel mit dem grossen Tor und seinem einzigartigen Fenster in einem Rahmen aus Sterneneisen überragte alles und zog als erstes den Blick aus der Ferne zu sich. Vögel hatte es gegeben, die ihr Lied zur Himmelskuppel sandten und die Menschen gaben ihr Lachen, ihre Musik dazu.

Jetzt fegt ein heisser Wind über das Tal. Verdorrt recken die einst so mächtigen Bäume die verkrüppelten und geschwärzten Äste anklagend in den Himmel. Riesige Kakteen breiten die stacheligen Arme aus, fussend im welligen Sand. Kein Grashalm, kein grüner Fleck kann den Blick fesseln. Die einst blühenden Hänge ragen jetzt schwarz und schroff auf. Der Fluss, Quell allen Lebens, windet sich als stinkendes Rinnsal durch das menschenleere Tal. Kein Gebäude, kein Turm, nur der Rahmen aus Sterneisen, Symbol der Unendlichkeit, Fenster zum Universum, steht wie ein Mahnmal einsam in der Landschaft, Zeugnis der Unfähigkeit des Menschen, friedlich zusammen zu leben. Die riesige Säule, die einst die Kuppel des Tempel getragen, liegt geborsten im Sand.

Er hatte es befürchtet. Zu deutlich waren alle Hinweise, die ihnen auf ihrer Reise begegneten. Die zunehmende Wärme, diese das Gemüt bedrückende Totenstille, die spärliche Vegetation und doch klammerten sich ihre Herzen an den letzten Hoffnungsschimmer, wollten es nicht wahrhaben. Sie hatten sich auf einer Inspektionsreise durch die angrenzende Galaxie befunden, als der Funkkontakt plötzlich abbrach. Alle Signale verhallten ungehört. Und von einer unbestimmten Angst getrieben, hatte die Gruppe beschlossen, wider jeden Befehl zu handeln und umzukehren.

 

 

Sie landeten auf einem verwaisten Raumhafen. Noch drei Schiffe, deren Crew den gleichen verstörten Blick hatte wie sie, waren dort. Man liess eine Notbesetzung zurück und dann schickte man kleine Gruppen los. Cora war nicht mehr zu halten gewesen. Sie wäre schliesslich allein gegangen, wenn er sie gelassen hätte:

"Ich muss wissen, was aus den unseren geworden ist! Kannst du das nicht verstehen?! Ihre Hand hatte sich schmerzhaft in seinen Ärmel gekrallt. "hast du gar kein Herz? Bono!! " Sie schüttelte ihn und ihre Stimme brach. "Meine Familie, mein Zuhause...." Ernst sah er ihr in die Augen: "Wenn du es wirklich willst, dann begleite ich dich. Liebes, denkst du im Ernst, ich lasse dich allein?" Und so hatten sie sich von der Gruppe abgesetzt und nun sassen sie hier, am Ende ihrer Hoffnungen, am Ende ihres bisherigen Lebens.

Sie dachte: "Ihr Götter, alles dahin, Mutter, Vater, mein kleiner Bruder, die Gemeinschaft.... "

Mühsam unterdrückte sie die aufsteigende Panik und das neuerliche Schluchzen. Leicht legte sie die Hand auf ihren noch flachen Bauch. Erst seit zwei Tagen wusste sie es, sie hatte es ihm noch nicht gesagt.

"Diese Narren, sie haben die Macht missbraucht und du, mein Kleiner, musst einst dieses Erbe antreten, in dieser veränderten Welt aufwachsen." Ihre Gedanken verloren sich wie der haltlose Blick, der sich von den düsteren Farben der Eben nicht lösen konnte.

Er dachte: "Ich habe es gewusst, seit wir den Boden wieder auf diese Erde gesetzt haben. Aber das es so aussehen würde!" Seine Faust ballte sich unter dem aufkeimenden Zorn, weiss traten die Knöchel hervor. "Jetzt heisst es weiter Kampf, um Nahrung, Bleibe und gerade jetzt..." Zärtlicher, als er sonst nach aussen hin schien, streifte sie sein Blick. "Ich muss es ihr bald sagen. Sie muss sich schonen und jedes neue Leben ist jetzt kostbar. Bald....." Erst seit zwei Tagen wusste er es, er hatte es ihr noch nicht gesagt.

"Wir müssen sorgfältige Aufzeichnungen machen, damit unser Kind einst nicht die gleichen Fehler macht."

Von Ladyb

Email an Ladyb